Das “Koryphäen-Killer-Syndrom“

Psychosomatische Aspekte der US-Politik

Im Weißen Haus herrscht, für jeden erkennbar, eine Beraterkrise. Bob Woodward (“Furcht“) berichtet, dass sich die Präsidentenberater zusammengeschlossen haben, um die gefährlichsten Impulse des Präsidenten zu blockieren. Sie halten brisante Akten von ihm fern und kontrollieren ihn ständig, um schwere politische Schäden zu verhüten.

Es ist ein “Nervenzusammenbruch“ der Exekutive in diesem mächtigsten Land der Welt.

Der Präsident ist auf ein Heer absolut loyaler und kompetenter Experten angewiesen, die er allerdings ständig auswechselt. Trump kritisiert nicht nur, sondern lobt auch die entlassenen wie die neu eingestellten Berater öffentlich und nimmt stets gern deren Huldigungen entgegen. Meist dauert es nicht lange, bis der Präsident und sein Personal sich gegenseitig belauern. Es scheint so, als gingen sie gar nicht professionell miteinander um, sondern nur noch umeinander herum.

In der Psychosomatik ist diese Beraterkrise als “Koryphäen-Killer-Syndrom“ (“Expert-Killer-Syndrome“) bekannt. Der Erstbeschreiber Dieter Beck (1977) versteht darunter den Verfall einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Ratsuchenden und Beratern. Wenn der anfangs idealisierte Berater nicht alle Erwartungen des Ratsuchenden erfüllt, zerbricht diese Vertrauensbeziehung. Im Klinikbetrieb,  wie im Geschäftsleben und in einer politischen Administration, kommt es dann regelmäßig zur Entlassung von Experten. Im Weißen Haus herrscht, für jeden erkennbar, eine Beraterkrise, die sich wegen allseits abnehmender Expertise, so scheint es, von selbst erledigen dürfte.

Bob Woodward’s book „Fear: Trump in the White House“ shows a decrease of expertise in all respects. I agree with the author writing the following lines:

„Members of his staff had joined to purposefully block some of what they believed were te president’s most dangerous impulses. It was a nervous breakdown of the executive power of the most powerful country in the world.“

In addition my opinion: The “Expert-Killer-Syndrome” is spreading through the White House. The President relies on a great number of absolutely loyal experts – but he replaces these experts ongoing. He praises the dismissed consultants as well as the recruited ones in public, and on this occasion gladly welcomes their homages to him. Not long and the President starts eyeing them, and they start spying each other. It seems as if they do not work together but walk around each other – professionally.

Dieter Beck was the first to describe systematically the dynamics of this process which he called the “Expert-Killer-Syndrome”. This syndrome is defined by the decay of a trustworthy relationship among guidance-seekers and consultants. The person seeking advice at first and for a short period idealizes the consultant. The relationship shatters as soon as the consultant does not meet all of their expectations.

So medical experts and hospital directors lose their reputation immediately and entirely. Like with the frustrating contact to “professional patients” who are the horror of all medical doctors, the relationship ends because of their enhanced claims and a variety of discomforts nobody can remedy. The exalted behavior of the guidance-seekers is not the result of individual disease, for as in this case it could probably be cured. Rather it is rooted in an irreparable interpersonal relationship.The consultants are left at a loss, and the guidance-seeker remains in cluelessness, ongoing. There is a consulting-crisis in the White House, anyone can see. However, it might resolve itself due to the decrease of expertise in all respects.

2 Kommentare zu „Das “Koryphäen-Killer-Syndrom“

  1. „Da bin ich wieder, wo es keine Bändel, keine Trinkgelder, kein Hutabnehmen, keine Fürsten gibt, wo jeder ein Saumaul haben und (…) jeder Esel Präsident werden kann.“, hat Friedrich Hecker, die „Ikone der deutschen Revolution von 1848“ (Deutschlandfunk) nach seiner Rückkehr aus Deutschland in die USA über das gelobte Amerika geschrieben. 170 Jahre später wird nicht jeder Staatsangehörige der USA dieses Lob uneingeschränkt unterschreiben, besonders nicht in Regierungskreisen, jedoch …
    Wie mögen wohl die Präsidentenberater über ihren Chef denken, wenn sie – zum Wohle ihres Landes – versuchen, die schädlichsten Impulse ihres Präsidenten zu unterlaufen, ihn belauern und sich gegenseitig nicht trauen können?

    Dieser gut lesbare Artikel macht auch staunenden Laien wie mir verständlich, was da gerade gespielt wird und auf dem Spiel steht. Sehr zutreffend diagnostiziert und – aus der Distanz betrachtet vollkommen einleuchtend. Wer sagt es dem Präsidenten? 😁

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