Heldinnen

Fragiles Heldentum

Anne Weber setzt in „Annette, ein Heldinnenepos“ einer französischen Résistance-Kämpferin ein literarisches Denkmal

Von Sabine Haupt

„Es gibt im gesamten deutschsprachigen Raum wohl keine(n) AutorIn, deren/dessen Werk so eng mit dem deutsch-französischen Sprach- und Kulturaustausch verbunden ist wie das Werk von Anne Weber. Mit ihren bisher 11 Romanen hat die in Offenbach geborene und dort aufgewachsene, doch seit Jahrzehnten in Paris lebende Autorin und Übersetzerin ein absolut singuläres Werk geschaffen. Mehrsprachige AutorInnen, die ­– beispielsweise in einer klassischen Exilsituation – die Sprache wechseln, sind keine Seltenheit. Doch eine Autorin, die wie Anne Weber alle ihre Bücher selbst übersetzt beziehungsweise simultan in beiden Sprachen schreibt und im selben Jahr publiziert, ja aus dem bilingualen Hin und Her, dem deutsch-französischen Mit- und Gegeneinander eine ganz eigene Schreibmethode entwickelt hat, ist meines Wissens einzigartig.“

KUNST IM KRIEG

https://www.zeit.de/kultur/kunst/2022-08/kunst-ukraine-zhanna-karyrova-sergey-zakharov-fshttps://www.zeit.de/kultur/kunst/2022-08/kunst-ukraine-zhanna-karyrova-sergey-zakharov-fs

Bilder einer angegriffenen Gegenwart

Der Schaffensdrang der ukrainischen Künstlerinnen und Künstler ist ungebrochen, viele von ihnen reflektieren in ihren Arbeiten den Krieg. (Zeit online)

© Kateryna Buchatska
© Bella Logachova
© Danylo Movchan
© Sergey Zakharov

Igor Samojlenko: „ANTHROPOPHAGEN“

Igor Samojlenko

ANTHROPOPHAGEN

Wir kennen sie gut, sie zogen uns groß

und leben noch heute.

Der Turnlehrer neben der Reckstange,

um die sich das Lamm

unseres Körpers dreht.

Unsere nimmersatten Therapeuten

mit ihrem Geheimtipp: Ketodiät.

Unsere Feinschmecker, die Träume.

Auf den Lattenrosten

werden wir gegrillt.

Mama, Papa, halb irr vor Hunger,

erst nach Jahrzehnten von uns abgestillt.

Wachsam ist unser Schlaf,

schreckhaft sind wir,

wie Zwerge.

In jedem Dunkel wittern wir Blut.

Bisschen Pfeffer?

Prise Salz?

Damit die Augen

schön saftig tränen.

Ihr Liebenden!

Gefüttert mit dem fetten Gras der Liegewiesen!

Gemästet mit dem Heu in den grauen Scheunen!

Gefedert von den weichen Kissen!

Gestopft von Abschiedsküssen wie Foie gras!

Aufgepasst!

Aufgepasst!!

Spende für Waisenkinder in Uganda

Wer gerade 300 € vom Staat bekommen hat, diese Summe aber nicht so dringend braucht wie die hungernden Waisenkinder in Uganda, wäre ein jetzt guter Spender

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Matteo Salvini: „Viel Feind‘, viel Ehr‘! – Molti nemici, tanto onore!“

In der Regel fällt die Ahnungslosigkeit eines Redners oder seiner Zuhörerschaft nicht während einer intellektuell mehr oder weniger anspruchsvollen Ansprache im engen Rahmen einer Bildungsveranstaltung auf, sondern tritt eher bei politischen Massenkundgebungen in Erscheinung. Wenn beispielsweise Matteo Salvini als Echo des faschistischen Diktators Benito Mussolini den uralten deutschen Schlachtruf:
                            Viel Feind‘, viel Ehr‘! – Molti nemici, tanto onore! – gegen seine demokratischen Landsleute ins Feld führt, scheint er nicht zu ahnen, dass dieses geflügelte Wort unmissverständlich auf ein Paranoid hinweist und somit heutzutage als Symptom eines Größen- oder Verfolgungswahns gedeutet werden kann. In der Tat misst mancher führende Politiker seinen Selbstwert an der Zahl seiner Gegner. Daneben zerfällt die Qualität kritischer Argumente. Dieses elementare Missverständnis ist bezeichnend für die europaweit anwachsende, generationsübergreifende „willful ignorance“. In allen demokratischen Ländern sind es nationalistische Gruppierungen, die, wie die italienischen Postfaschisten, mit großem Pathos und einer wahren „Attitude passionelle“ agieren und ihren Kritikern gern einen Hang zur „Paranoia“ oder „Hysterie“ nachsagen. Diese Art der Psychopathologisierung Andersdenkender ist in Europa und überall auf der Welt populär und reicht von der sprachlichen Diskriminierung bis zur Kriminalisierung politischer Gegner.

Matteo Salvini – Benito Mussolini
it.blastingnews.com/politica/2018/01/il-fascismo-ha-fatto-anche-cose-buone-salvini-smentisce-mattarella

Magische Sentenzen (Ulrich Koch)

Einen philosophisch-reflexiven Zugang zum Alltag und zur Natur wählt der deutsche Autor Ulrich Koch in seinem Band „Dies ist nur ein Auszug aus einem viel kürzeren Text“. (…) Leben und Schreiben verschmelzen und durchdringen osmotisch die Wahrnehmungs- und Gedankenwelt, weil die eine in die andere hinüberfließt. „Wir sind nie verloren ohne Rettung, / solange wir schreiben, verloren, um Rettung.“ (…) Das Staunen (thaumazein) mündet hier in einen Modus der Selbstvergewisserung. (…) Und weil die „Zeit nie unpünktlich“ ist und „geduldig auf die nächste Sekunde“ wartet, „in der sie vergeht“, wird auch die „Sehnsucht“ zur „exaktesten Wissenschaft“.

(Maria Renhardt, Die Furche vom 14.09., Sammelbesprechung zu Bänden u.a. auch von Sabine Gruber und Michael Krüger)