Ulrich Koch: Neue Gedichte

DIES IST NUR DER AUSZUG AUS EINEM VIEL KÜRZEREN TEXT

Rezension

und Klappentext: »Das Schreiben hört nicht auf, es quält mich, endloser Schneefall«, heißt es an einer Stelle in diesem Band. An einer anderen: »Aus Platzgründen schreibe ich Gedichte« – und man kann sich fragen, weil sie kürzer sind oder weil darin mehr Platz hat? Mehr Schnee, mehr Hinterland mit Bahnübergängen, Fahrradständern, Löschteichen und den Wolken darin, mehr Unstillbares, mehr Sehnsucht. Eine Notiz lautet: »Einsamkeit: Die erste Person Singular ist in der Mehrzahl« – also immerhin nicht allein. Und das trifft auch auf diese Gedichte zu: Sie schauen einander ähnlich, sie würden einander erkennen können, auch an dem Ich, von dem sie handeln. Es versöhnt einen, vielleicht auch mit der eigenen Einsamkeit, von diesem Ich zu wissen, von seinem Alltag, den es nüchtern beobachtet und dem es gleichzeitig Bilder und Verse von überraschender Leuchtkraft abgewinnt. Diese Gedichte sind groß, groß genug für Gegensätze und Selbstwidersprüche, und sie nehmen sich zurück, als hätten sie sich gekürzt. Sie sind das, was übrig bleibt, wenn das Ich – »Ein Niemand \/ Unvergessen« – gestrichen ist.Rezension

Junge Ärztin und Schriftstellerin Minu Tizabi

Dr. med., *1992) liest und schreibt seit ihrer frühesten Kindheit
gerne Geschichten. In der Schule übersprang sie mehrere Klassen und wurde im Alter von 14 Jahren Deutschlands jüngste Abiturientin.
Direkt im Anschluss begann sie an der Universität Heidelberg ein Medizinstudium, das sie im Alter von 22 Jahren als Deutschlands jüngste Ärztin abschloss. Anschließend forschte sie ein Jahr in den USA, bevor sie nach Heidelberg zurückkehrte.
Im November 2019 erschien ihre englischsprachige Kurzgeschichte „Connecticutting“ in einer von der Creative Writing Group an der
Uni Heidelberg herausgegebenen Anthologie.
Am 19. Juli 2021 ist ihr Debütroman „Revolution morgen 12 Uhr“ beim Aufbau-Verlag/Blumenbar erschienen.

Trotz Kriegsgefahr ein Blick auf die Kunst in der Ukraine

wonderful art

розкриття і передачі теми таємничого невагомого простору – художниця використовує спосіб витинання та вирізання з паперу. Для своїх робіт застосовує одинарний папір, білий чи кольоровий, орнамент укладає в довільні динамічні композиції. Різкий контраст вирізаної площини і наскрізний простір творить враження тривимірності і дає можливість заглянути в інший, позапаперовий світ.
Роботи художниці відзначаються високою художньою якістю, вражаючою філігранністю. Винахідливими та хитромудрими вирізами, а також плавними вишуканими, майже невагомими лініями, вона творить той чи інший особливий образ, який вже виходить за рамки традиційного витинання/вирізання. Завдяки формотворчим чітким лініям, які нагадують штрихи, і використанню контрастів чорного і білого, творчість Оксани уподібнюється до графіки, тому, мабуть, доречно буде тут застосувати визначення – паперова графіка, а саму художницю найменувати, на кшталт американського Paper Cut Artist.
Тож беріть свої крила і доєднуйтеся до впевнених, мудрих, сповнених любов’ю!



Oksana Sentimreyas Kunstprojekt „Winged“ Das Wortbild von Okrylena – voller Inspiration, Liebe, Gedankenreichtum, Selbstbewusstsein, Kraft, Fähigkeiten, klingt wie das Leitmotiv des gleichnamigen Kunstprojekts der Lemberger Künstlerin Oksana Sentimreya. Der visuelle Ausdruck des Wort-Bildes in ihren Werken sind Flügel in verschiedenen Konfigurationen und Tonalitäten. Um das Thema eines mysteriösen schwerelosen Raumes zu offenbaren und zu vermitteln, bedient sich die Künstlerin der Methode des Schneidens und Ausschneidens von Papier.

Für ihre Arbeiten verwendet er ein einzelnes Papier, weiß oder farbig, das Ornament ist in einem Wurfdynamo platziert. Der scharfe Kontrast der Schnittebene und des durchgehenden Raumes vermittelt den Eindruck von Dreidimensionalität.

>Blick ins Buch

Keine Fotobeschreibung verfügbar.
Oksana

Eine neue Perspektive ukrainischer Kunst:

Die Dezember-Ausstellung in der City von Lemberg erinnerte an Strategien der dekorativen Bildsprache. Die moderne Form zeichnet den funktionalen Zweck des Werks aus. So wird auch nach nach Auffassung von Kunsteexpertenein semantisches Programm mit traditonellen Elementen zu einer neuen ästhetischen Realität und löst Emotionen aus.

Oksana Sentymrei stellte Grafiken und paper cuts zuvor in der Melenka-Galerie vor. Sie besuchte die berühmte Nationale Kunstakademie in Lemberg und unterrichtet dort seit 11 Jahren an der Hochschule für angewandte und dekorative Kunst. Es fällt auf, dass die Kunst in der Ukraine sich seit 5 Jahren hinsichtlich Stil und Thematik von ihrer traditionellen Technik emanzipiert hat, so dass zum Beispiel die Kunst nicht mehr von herkömmlicher Symmetrie bestimmt ist. Die neue Kunst der Ukraine wird in jüngster Zeit auf der Bienale in Venedig und in einigen deutschen Galerien ausgestellt.

Paper cut 2

paper cut 3

Kaltnadeldruck…

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Rezensionen

https://wordpress.com/read/blogs/151422927/posts/634https://wordpress.com/read/blogs/151422927/posts/634

Karl F. Masuhr Ärzte, Dichter & Rebellen –
psychosomatische Aspekte ihres Wirkens.

Über den Autor: Schon während seines Humanmedizinstudiums beschäftigte er sich u.a. mit Philosophie und Film- und Theaterwissenschaft. In seiner beruflichen Tätigkeit waren psychosomatische Aspekte inder Neurologie zentrale Teile seines Denkens, sodass sein Buch „Ärzte, Dichter & Rebellen. Psychosomatische Aspekte ihres Wirkens“ wie eine konsequente Fortsetzung seiner langen ärztlichen und publikatorischen Tätigkeiten erscheint.


Ein Buch, prall gefüllt mit Poesie und „richtigem Leben“, und zwar mit geballtem dramaturgischem Effekt. Empfehlenswert, wenn auch – das sei aus ärztlicher Fürsorge zugestanden – bisweilen für „starke Nerven“ (Prof. Dr. Volker Faust, Ulm 17. 6. 2020).

Dr. phil. Stefanie Oswalt 29.7.2019:
„Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht.“ So ein bekanntes Zitat des Soldaten Woyzeck im gleichnamigen Bühnenfragment Georg-Büchners. Der Protagonist: ein von einem Arzt zu einer unsinnigen, entwürdigenden Diät verpflichteter Mensch in schwerer psychischer Bedrängnis, der am Ende seine Geliebte ersticht. Sein Erfinder: derArzt, Dichter und Revolutionär Georg Büchner, der trotz seines frühen Todes als einer der wichtigsten deutschen Schriftsteller gilt. Wenig verwunderlich, dass Georg Büchner denn auch in der Monographie „Ärzte, Dichter & Rebellen“ des Neurologen Karl Friedrich Masuhr eine prominente Rolle einnimmt.


Wie auch Friedrich Schiller und Arthur Schnitzler trat Büchner v. a. als Dramatiker hervor und wie sie sieht Masuhr ihn als Vorreiter einer modernen Psychosomatik sowie als Rebellen gegen Väter und Landesherren. Diese Punkte miteinander in Bezug zu setzen ist das Anliegen von Masuhrs interdisziplinärer Studie. Denn in Biografien großer Ärzte und großer Dichter hat Masuhr bislang die Darstellung der psychosomatischen Kenntnisse und die Beurteilung des „Rebellentums“ vermisst – eine Leerstelle, die er mit seiner Untersuchung aufzeigt und diskutiert. Denn, so die These des Neurologen, dessen Wikipedia-Eintrag seine familiäre Affinität zur Literatur- und Geisteswissenschaft offenlegt: „Offenbar verfügen aber gerade die Ärzte und Dichter, die ein ,Doppelleben‘ führen, über ein Sensorium, das sie befähigt, nicht nur Diagnosen zu stellen und Verse zu schmieden, sondern darüber hinaus das wahrzunehmen, was die schönen wie die heilenden Künste in Bewegung bringt.“ (S. 15) Im Umgang mit kranken Menschen gewinne der schreibende Arzt „Einblicke in das dynamische Dreiecksverhältnis von Körper, Geist und Umwelt“ (S. 11). In der Literatur wie in der Heilkunde, so Masuhr, seien Ideen angelegt, „die bei der Analyse ihres Zusammenwirkens spürbaren Widerstand herausfordern.“ – Rebellion auch gegen die Vergänglichkeit (S. 22).

Masuhrs Befund nach gehörten Ärzte-Dichter immer zur Avantgarde der literarischen Moderne: Friedrich Schiller, John Keats und Arthur Schnitzler ebenso wie Gottfried Benn, Alfred Döblin oder in der literarischen Gegenwart Reinald Goetz, Jakob Hein oder Uwe Tellkamp. Detailreich und unter Hinzuziehung vielfältiger Sekundärliteratur analysiert Masuhr die Biografien völlig unterschiedlicher Dichter-Ärzte seit dem 18. Jahrhundert: Wir lesen über Dichter, die für ihr Rebellentum mit dem Leben bezahlen mussten wie der kubanische Revolutionär Che Guevara oder der philippinische Schriftsteller, Arzt, Patriot und Freimaurer José Rizal. Außerdem entdeckt Masuhr verblüffende biografische Parallelen zwischen Gottfried Benns Autobiografie„Doppelleben“, in der dieser seinen Werdegang als Arzt und Dichter reflektiert, und der Biografie des russischen Satirikers Michail Bulgakow – die beide nicht nur frühzeitig zu Ruhm gelangten, Ärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten waren, sondern auch an den jeweiligen politischen Umständen litten: Benn, der trotz anfänglicher Anbiederung bald in die Ungnade der Nationalsozialisten fiel und sich ins innere Exil zurückzog, und Bulgakow, der Schreibverbot erhielt, mangels Ausreisegenehmigung unter Stalin aber ebenfalls im Lande blieb (S. 156). Zu den wenigen biografisch vorgestellten Frauen des Bandes gehört die 1897 geborene Sexualforscherin, Psychotherapeutin und Schriftstellerin Charlotte Wolff, die in der Medizin einen „Nährboden für die Poesie“ und zugleich ein „Gegengift gegen zu viel Innerlichkeit“ sah. Als Jüdin verfolgt, floh sie 1933 nach Paris und wurde 1947 britische Staatsbürgerin (S. 179f.). Auch die ägyptische, 1931 geborene Schriftstellerin und Psychiaterin Naval El Saadawi findet Erwähnung, die sich als Aktivistin gegen die Unterdrückung von Frauen in der islamischen Welt unter anderem gegen Genitalverstümmelung einsetzte. Komplex ist Masuhrs in 16 Kapitel gegliederte und mit einem Epilog versehene Darstellung – gelegentlich erführe der interdisziplinär etwas weniger gebildete Leser auch gerne etwas mehr über die vorgestellten „Ärzte, Dichter & Rebellen“ –, aber auf jeden Fall lohnt die Lektüre zum Weiterforschen und -denken.


Karl F. Masuhr Ärzte, Dichter & Rebellen: „Das Buch ist faszinierend – nicht nur für Mediziner und Literaturliebhaber“

Dr. phil. Stefanie Oswalt EisenacherStr.74, 10824 Berlin,Deutschland 29.7.2019 Springer nature

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Über Ärzte, Dichter & Rebellen: Neuwieder veröffentlicht Buch mit 53 Biografien von „Arztdichtern“

RHEINZEITING vom 4. 2. 2019: Die Uraufführung der „Räuber“ war für ihren Autor 1782 ein Triumph, der Durchbruch zu einer Karriere, für die er bis heute weltberühmt ist. Dass Friedrich Schiller, der große deutsche Dichter, aber eigentlich Arzt war und schon vor seinem ersten, rebellischen Drama drei medizinische Dissertationen verfasst hatte, dass er gar als einer der Vorreiter der modernen Psychosomatik gilt – das wissen nur wenige.

Und Schiller ist nicht der einzige große – und rebellische – Literat mit medizinischem Hintergrund. Karl F. Masuhr kennt 52 weitere. Er hat sie thematisch zusammengefasst und stellt sie in seinem neuen Buch vor.“

„Ärzte, Dichter & Rebellen“ heißt das im Verlag „Königshausen und Neumann“ erschienenen Essay des Neuwieders, 301 Seiten ist es stark. Geadelt wird das Buch von einem Vorwort des Charité-Vorstands Prof. Karl Max Einhäupl. Schließlich haben etliche der porträtierten „Arztdichter“ an dem traditionsreichen Klinikum in der Hauptstadt gewirkt.

Karl F. Masuhr Ärzte, Dichter & Rebellen.
Psychosomatische Aspekte ihres Wirkens.
Königshausen u. Neumann, 302 S., € 19,80

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Psychologie heute S. 90 1/2019:

Reaktionen

von Elke Heidenreich, Hans Magnus Enzensberger, Hans Joachim Schädlich, Durs Grünbein, Axel Kahrs, Hanna Kulessa, Ulrich Fuchs, Wilhelm Rimpau, Ellis Huber, Hélène Coté-Martin, NY, Jon Mukand, NY, Wolf-Andreas Lieberz, Alex Maurer, Stefanie Oswaldt, Helmut Milz:

„…lese es augenblicklich mit großem Vergnügen und Gewinn. Da sind manche Anregungen, die ich beim Schreiben meines letzten Buches gerne aufgenommen hätte.
Ein sehr gut geschriebenes, kenntnisreiches Buch, welches uns einen anderen Blick auf sozialkritisch und poetisch engagierte AerztInnen eroeffnet.
Carlos Masuhr vereint seine spezielle Mischung aus langjähriger klinischer Erfahrung und parallelen, kuenstlerischen Stärken zu einer ungewohnten Synthese. Durch Sie beschreibt er, wie wichtig fuer AerztInnen ein differenziertes und bildreiches Verhältnis zu ihrer eigenen Sprache bleibt, das weit ueber den eingeschränkten, fachspezischen Wortschatzes hinausgeht.
Die von ihm portraitierten AerztInnen zeigten auf ihre Art Zivilcourage und wurden zum wichtigen, literarischen Sprachrohr fuer notwendige soziale Reformen. (Prof. Helmut Milz, 13.5. 2019)


jochen schädlich

Hans Joachim Schädlich

Ein eindrucksvolles Werk! Ich glaube, es gibt keine vergleichbare, so reichhaltige Arbeit über Arzt-Schriftsteller-Doppelexistenzen. Ich lerne viel daraus.“ (Hans Joachim Schädlich, 27. 12. 2018)

„Ihr Gedächtnis ist ja fast pathologisch und erinnert (!) an total recall, was, glaube ich, bei den Psychiatern als Leiden gilt. Außerdem fällt Ihre Dikretion (sic!) auf. Liebe zur Literatur und den Künsten…“
(Hans Magnus Enzensberger 15. 11. 2018)


„Ich las gerade Karf F. Masuhrs „Ärzte und Dichter“ – ein kluges Buch“.
(Axel Kahrs, 23. 2. 2019)

Link zu Deutsches Ärzteblatt 14. 12. 2018: „Eine revolutionäre Mischung“ : Masuhr stellt in diesem ungewöhnlichen Buch mehr als 50 Arzt-Dichter (und einige dichtende Ärztinnen) vor. Er vergleicht ihre Biografien und entdeckt überraschende Gemeinsamkeiten (etwa zwischen Benn und Bulgakow).

heidenreich 2

Your book is linking your medical activity with poetry and invites us to explore this connection which will lead to new paths. It can be interpreted as a rebellion that is for sure. You really come out of the norm here!!! (Hélène Coté-Martin, New York, 14.10. 2018).

„Ich habe Ihr Buch „Ärzte, Dichter und Rebellen“ schon gelesen! Und das mit großer Neugier, Erstaunen und Begeisterung“ (Hanna Kulessa, 8. 9. 2018)

„Ein tolles Buch!“ (Prof. Dr. Wolf-Andreas Lieberz, Universität Koblenz-Landau, 1. 8. 2018)

Grünbein 2

Durs Grünbein zu „Ärte, Dichter und Rebellen“ (Kapitel: Effekt und Affekt) Interpretation seines Gedichts „Biologischer Walzer“

Grünbein 1

„Masuhr hat ein tolles Buch vorgelegt“ (Prof. Dr. Wilhelm Rimpau, 13.7.2019)

Prof. Dr. W. Kahlke, Hamburg:

„Das Buch ist faszinierend – nicht nur für Mediziner und Literaturliebhaber“

Afghanistan – before and after Taliban

DAS TRAUERSPIEL VON AFGHANISTAN

Theodor Fontane (1857), zwei zentrale Strophen:

„Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Kabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verraten sind.

Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt.“

Ist möglicherweise ein Bild von 1 Person

Abb.: Zwischen 1839 und 1842 besetzten die Briten Kabul. Die Flucht wurde zu einem der grössten militärischen Desaster des 19. Jahrhunderts © National Army Museum, London

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(Matthias Claudius 1778)

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
’s ist leider Krieg und ich begehre,
nicht schuld daran zu sein.

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Photograph by Steve McCurry
Überblick
LandAfghanistan
Bevölkerung38,04 Millionen
HauptstadtKabul
Fläche652.860 km²
SprachenPaschtu, Dari

Kabul unter den Taliban

Ist möglicherweise ein Bild von 3 Personen und Text „ROGER WILLEMSEN AFGHANISCHE REISE“

Lieb Vaterland, magst ruhig sein

„Lieb Vaterland, magst ruhig sein“
(Die Wacht am Rhein),
oft variiert, so von Udo Jürgens, doch originalgetreu gesungen von HEINO.

Vater Rhein:
Heinrich Heine: Deutschland, ein Wintermärchen

Wenn ich es höre, das dumme Lied,
Dann möcht ich mir zerraufen
Den weißen Bart, ich möchte fürwahr
Mich in mir selbst ersaufen!

Der Wicht am Rhein

(aktualisierte Parodie,
frei nach Max Schneckenburger 1840)

Es braust ein Sturm wie Donnerhall,
Mit Wasserflut und Wogenprall:
Zur Ahr, zur Mosel und zum Rhein!
Wer könnt` der Ströme Hüter sein?
Ein Deutscher, bieder, fromm und stark
beschützt die heil’ge Landesmark.
Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu ein Wicht am Rhein!

Konservativer Klimawandel

Ist möglicherweise ein Bild von 6 Personen, Bart, Personen, die stehen und Anzug

Dpa-Foto: Christian Lindner, Armin Laschet

Konservativer Klimawandel

(sehr frei nach Ludwig Uhlands „Frühlingsglaube“ (1812),
vor 200 Jahren von Franz Schubert vertont)

Die Lindner-Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und wehen Tag und Nacht,
So lasch an allen Enden.
Die Welt wird wärmer mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Es brennt an allen Enden.

Die Flut hat überschwemmt das Tal.
Zwei Biedermänner steh`n zur Wahl,
Ihr Locken will nicht enden:
Sirenensang, Schalmeienklang,
So wird’s dem Bürgertum nicht bang.
Will sich denn gar nichts wenden?

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Der Wicht am Rhein
(aktualisierte Parodie, frei nach Max Schneckenburger 1840)

Es braust ein Sturm wie Donnerhall,
Mit Wasserflut und Wogenprall:
Zur Ahr, zur Mosel und zum Rhein!
Wer könnt` der Ströme Hüter sein?
Ein Deutscher, bieder, fromm und stark
beschützt die heil’ge Landesmark.

Lieb’ Vaterland, magst ruhig sein,
Fest steht und treu ein Wicht am Rhein!


Michael Bulgakow, Arzt und Dichter (1891-1940)

Michail Bulgakow hatte nach dem Medizindiplom (1916) zunächst als Truppen- und Landarzt in den Nachkriegsjahren als Journalist gearbeitet und erste literarische Texte wie zum Beispiel „Die weiße Garde“ (1924) verfasst. Bei einer Hausdurchsuchung wurden seine Tagebücher und das einzige Exemplar seines Romans „Hundeherz“ konfisziert. Der Autor empfand die Zensur als „literarische Hinrichtung“. Josef Stalin hatte dem Autor zwar telefonisch viel Erfolg gewünscht, doch für den Fall aller Fälle die Aufführung seiner Stücke und die Verbreitung seiner Schriften verboten. Als Bulgakow diese doppelte Bot- schaft aus dem Kreml durchschaute, steckte er bereits in der Falle: Der Diktator hatte den Dichter ermutigt – mit gefesselten Händen – frisch drauflos zu schreiben.

Gerade deshalb wurde der Dichter gemaßregelt und verfemt.
Nachdem er in seiner Not alle Manuskripte verbrannt hatte, berichtete er dem Diktator, er leide  unter Angstzuständen und „herzbedingter Schwermut“. 
Der Grund dafür sei das „langjährige Gehetzt  werden und das darauffolgende  Schweigen“.  
1940 starb er, erblindet, im Alter von 49  Jahren.  
Erst  nach dem Tod des Kremlchefs (1953) wurde Michail Bulgakow rehabilitiert. 
Als sein Roman „Der  Meister  und Margarita“  (1966) erschien,  feierte  man ihn enthusiastisch.

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Bei dem Vergleich der Texte und deren Wirkungsästhetik überwiegen die 
auffallenden  Unterscheidungsmerkmale  der  Literaturgattungen:  
Für  Michail  Bulgakow  und  Gottfried  Benn  traf  weit  weniger  zu,  was  Friedrich 
Schiller,  der  kein  geborener  Erzähler  war,  wegen  seiner  Vorliebe  für  Ge-dankenlyrik  und  Freiheitsdramen  doppelt  auszeichnete;  denn  Bulgakow 
war  kein  Lyriker,  sondern  Erzähler  und  Dramatiker,  
Benn  hingegen  Essayist und vor allem Lyriker.  

Gottfried Benn

Aus  zeitgeschichtlicher  Perspektive  sind  zudem  die  ästhetischen Formen 
ihres vielfach unterdrückten Widerstands und damit auch ihre paradoxen 
Einstellungen im  Dienst  der  beiden totalitären  Regime,  
die  sich im Weltkrieg vernichtend bekämpften,zu differenzieren. 
Dennoch eignen sich die Lebensgeschichten Michail Bulgakows und Gottfried Benns 
wegen besonderer Gemeinsamkeiten geradezu für eine Doppelbiographie:  

Beide Autoren waren Söhne protestantischer Geistlicher, in ihren Ländern 
früh bekannte und zeitweilig verkannte Dichter, dreimal verheiratet, 
Ärzte für Haut-  und  Geschlechtskrankheiten,  Schiffsärzte, 
Militärärzte,  leitende  Ärzte,  zeitweilig  auch  Drogenkonsumenten.  
In  den  1930er  Jahren  versuchten beide vergeblich, sich als Schriftsteller
und Leiter kultureller Institutionen  mit  dem  diktatorischen  Regime 
ihres  Landes  zu  arrangieren;  sie wurden öffentlich attackiert und 
diskriminiert, erhielten Schreibverbot wie viele  Autoren, 
 die  außer  Landes  gingen,  emigrierten  aber  nicht.  

Bulgakow  erhielt keine Ausreisegenehmigung. Benn blieb.  

Politische Homizid-Suizide in der Walpurgisnacht

Homizid-Suizide in der Walpurgisnacht: Adolf Hitler fuhr in der Walpurgisnacht zur Hölle: Der am 30. 4. 1945 im Berliner „Führerbunker“ mit Frau Eva, geb. Braun gemeinsam begangene („erweiterte“) Suizid kann ebenso wie die Selbstmorde der damals noch überlebenden „Hauptkriegsverbrecher“ Himmler, Göring und Heß, als erster und letzter persönlicher Beitrag zur Beendigung des II. Weltkriegs, des Genozids und des Holocaust bezeichnet werden.

Demgegenüber lässt sich der Kindermord des Ehepaars Goebbels am 1. Mai 1945 kaum sachverständig als „erweiterter Suizid“ erörtern: Die Tötung sechs ahnungsloser Kinder war ein ruchloser finaler Akt dieser kriminellen Eltern. Und die „Opferung“ der eigenen Familie geschah nach Plan – wie die professionelle Täuschung der deutschen Bevölkerung und der Welt, – aber es war ebenfalls ein Akt der totalen Selbsttäuschung eines politischen Pseudologen, der im Auftrag des Führers ein Menschenbild ohne Sinn für den Wert des Menschen vertrat.

So hatte es angefangen

Am Ende des II. Weltkriegs sahen sich unzählige Japaner als Kamikaze-Piloten zum „freiwilligen“ Suizid gezwungen, darunter mindestens 2500 Studenten bei der letzten Okinawa-Offensive im Frühjahr 1945. Sie steuerten kleine Flugzeuge auf Kriegsschiffe der USA. Die Piloten gelten als Vorbilder für „Selbstmordattentäter“ von heute. Auch die Flugzeug-Attentate vom 11. September 2001 erinnern an Kamikaze.

Piloten-Homizid-Suizid

  • der 27-jährige Co-Pilot des am 24. März 2015 mit 150 Menschen abgestürzten Airbus A 320, verwirklichte in der akuten Phase einer monopolaren Depression einen Pilotensuizid, als er den ersten Piloten aussperrte, sich in der Kabine einschloss, die Führung übernahm und mit einem Knopfdruck den Sinkflug über den französischen Alpen auf 100 Fuß (30 Meter) einleitete.

Die meisten Philosophen und Psychologen erkennen im Freitod keine freie Entscheidung. Schon Platon warmit der Schrift „Apologie des Sokrates“ eine Auflösung der „Freitod“- Paradoxie gelungen. Gleichwohl wird heute noch vielfach der Suizidversuch als Möglichkeit einer freien Entscheidung verklärt. Im Fall eines „Mitnahmesuizids“ sprechen juristische Sachverständige   selten von uneingeschränkter Schuldfähigkeit (früher „Zurechnungsfähigkeit“), zum Beispiel im Fall einer unglücklichen Dichterliebe.100 Jahre nach dem Doppelsuizid Heinrich von Kleists und Henriette Vogels, diesem tragischen Vorfall vom 21.11.1811, der von vielen Menschen betrauert, von anderen aber auch missbilligt und verurteilt worden war, „missglückte“ eine Nachahmungstat:
Der Verfasser der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“, Johannes R. Becher, überstand einen Doppelsuizid-Versuch, den er mit seiner Jugendliebe Franziska Fuß unternahm, während diese dem Pistolenschuss von seiner Hand erlag. Becher wurde nach der glücklichen Genesung von seiner Schussverletzung gutachterlich untersucht und im Jahr 1911 für „zurechnungsunfähig“ erklärt. Nachdem er zwei Weltkriege, 1914-1918 in einer psychiatrischen Klinik und 1935-1945 im sowjetische Exil, überstanden hatte, war er von 1954-1958 erster DDR-Kultusminister.

Prävalenz: Der Anteil „erweiterter Selbsttötungen“ („extended suicide“ oder „homicide-suicide“), einschließlich  der Doppel- Mehrfach- und Pilotensuizide mit 0,1 /100.000 Einwohner ist gering.


 

Rechtsmedizinische Studie:

In einer retrospektiven Studie von Siems, A., Flaig, B., Ackermann, H. et al. Homicide-suicide. Rechtsmedizin 27, 175–184 (2017) wurden 58 Fälle des erweiterten Suizids am Institut für Rechtsmedizin Frankfurt/Main analysiert. Die Daten wurden deskriptiv und statistisch analysiert.

Ergebnisse

Unter den 58 Fällen befanden sich 74 Opfer. Die Täter waren in 93 % der Fälle männlich und in 7 % weiblich. Von den Opfern waren 76 % weiblich, 20 % männlich und 4 % blieben unbekannt. Unter den Opfern waren 17 Kinder, Ehe- oder Lebenspartner waren in 66 % der Fälle involviert. In 71 % der Fälle wurde der erweiterte Suizid zu Hause verübt. Hauptmotive der Tat waren Konflikte in der Partnerschaft und finanzieller Ruin. Erschießen war in 57 % der Fälle Methode der Wahl.

Fazit dieser Studie: Aufgrund der Schwere der Tat sollte heute der Begriff Homizid-Suizid anstelle von „erweitertem Suizid“ in den deutschen Sprachgebrauch integriert werden. Dieser fokussiert sich mehr auf das Tötungsdelikt als auf den Suizid und berücksichtigt somit die Schwere der Tat und die Opfer deutlicher als das Tötungsdelikt. Der Fokus sollte im Weiteren auf die Prävention dieser Ereignisse gerichtet werden. https://doi.org/10.1007/s00194-017-0161-2

Prävention

In letzter Zeit scheint sich eine plausible Auffassung von wirksamer Suizidprävention durchzusetzen: Nicht der Suizid, sondern ein überlebter Suizidversuch bedeutet das erlösende Ende der Selbsttäuschung. So wird dem Papageno-Effekt eine protektive Wirkung zugeschrieben: Papageno bewältigt in der Oper „Die Zauberflöte“ eine suizidale Krise mithilfe der „drei Knaben“. Dies gilt als Beispiel für den einfühlsamen und erfolgreichen Umgang mit suizidalen Konflikten.

„Böse Seuch und ihre Nöten“, Gedichte von Matthias Claudius

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten
Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten und mir zu Ehren krähten
Von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre?
Die könnten mich nicht freun!
’s ist leider Krieg – und ich begehre,
Nicht schuld daran zu sein!

* 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein); † 21. Januar 1815 in Hamburg

Illustration Ludwig Richter (1856)

Text nach dem Musen Almanach (1779)

Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
     Am Himmel hell und klar:
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
     Der weiße Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille,
Und in der Dämmrung Hülle
     So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
     Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen?
Er ist nur halb zu sehen,
     Und ist doch rund und schön.
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
     Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder,
     Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste,
Und suchen viele Künste,
     Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts vergänglichs trauen,
     Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden,
Und vor dir hier auf Erden
     Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
     Durch einen sanften Tod,
Und wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
     Du lieber treuer frommer Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder!
     Kalt ist der Abendhauch.
Verschon’ uns Gott mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen,
     Und unsern kranken Nachbar auch!