Politische Homizid-Suizide in der Walpurgisnacht

Homizid-Suizide in der Walpurgisnacht: Adolf Hitler fuhr in der Walpurgisnacht zur Hölle: Der am 30. 4. 1945 im Berliner „Führerbunker“ mit Frau Eva, geb. Braun gemeinsam begangene („erweiterte“) Suizid kann ebenso wie die Selbstmorde der damals noch überlebenden „Hauptkriegsverbrecher“ Himmler, Göring und Heß, als erster und letzter persönlicher Beitrag zur Beendigung des II. Weltkriegs, des Genozids und des Holocaust bezeichnet werden.

Demgegenüber lässt sich der Kindermord des Ehepaars Goebbels am 1. Mai 1945 kaum sachverständig als „erweiterter Suizid“ erörtern: Die Tötung sechs ahnungsloser Kinder war ein ruchloser finaler Akt dieser kriminellen Eltern. Und die „Opferung“ der eigenen Familie geschah nach Plan – wie die professionelle Täuschung der deutschen Bevölkerung und der Welt, – aber es war ebenfalls ein Akt der totalen Selbsttäuschung eines politischen Pseudologen, der im Auftrag des Führers ein Menschenbild ohne Sinn für den Wert des Menschen vertrat.

So hatte es angefangen

Am Ende des II. Weltkriegs sahen sich unzählige Japaner als Kamikaze-Piloten zum „freiwilligen“ Suizid gezwungen, darunter mindestens 2500 Studenten bei der letzten Okinawa-Offensive im Frühjahr 1945. Sie steuerten kleine Flugzeuge auf Kriegsschiffe der USA. Die Piloten gelten als Vorbilder für „Selbstmordattentäter“ von heute. Auch die Flugzeug-Attentate vom 11. September 2001 erinnern an Kamikaze.

Piloten-Homizid-Suizid

  • der 27-jährige Co-Pilot des am 24. März 2015 mit 150 Menschen abgestürzten Airbus A 320, verwirklichte in der akuten Phase einer monopolaren Depression einen Pilotensuizid, als er den ersten Piloten aussperrte, sich in der Kabine einschloss, die Führung übernahm und mit einem Knopfdruck den Sinkflug über den französischen Alpen auf 100 Fuß (30 Meter) einleitete.

Die meisten Philosophen und Psychologen erkennen im Freitod keine freie Entscheidung. Schon Platon warmit der Schrift „Apologie des Sokrates“ eine Auflösung der „Freitod“- Paradoxie gelungen. Gleichwohl wird heute noch vielfach der Suizidversuch als Möglichkeit einer freien Entscheidung verklärt. Im Fall eines „Mitnahmesuizids“ sprechen juristische Sachverständige   selten von uneingeschränkter Schuldfähigkeit (früher „Zurechnungsfähigkeit“), zum Beispiel im Fall einer unglücklichen Dichterliebe.100 Jahre nach dem Doppelsuizid Heinrich von Kleists und Henriette Vogels, diesem tragischen Vorfall vom 21.11.1811, der von vielen Menschen betrauert, von anderen aber auch missbilligt und verurteilt worden war, „missglückte“ eine Nachahmungstat:
Der Verfasser der DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“, Johannes R. Becher, überstand einen Doppelsuizid-Versuch, den er mit seiner Jugendliebe Franziska Fuß unternahm, während diese dem Pistolenschuss von seiner Hand erlag. Becher wurde nach der glücklichen Genesung von seiner Schussverletzung gutachterlich untersucht und im Jahr 1911 für „zurechnungsunfähig“ erklärt. Nachdem er zwei Weltkriege, 1914-1918 in einer psychiatrischen Klinik und 1935-1945 im sowjetische Exil, überstanden hatte, war er von 1954-1958 erster DDR-Kultusminister.

Prävalenz: Der Anteil „erweiterter Selbsttötungen“ („extended suicide“ oder „homicide-suicide“), einschließlich  der Doppel- Mehrfach- und Pilotensuizide mit 0,1 /100.000 Einwohner ist gering.


 

Rechtsmedizinische Studie:

In einer retrospektiven Studie von Siems, A., Flaig, B., Ackermann, H. et al. Homicide-suicide. Rechtsmedizin 27, 175–184 (2017) wurden 58 Fälle des erweiterten Suizids am Institut für Rechtsmedizin Frankfurt/Main analysiert. Die Daten wurden deskriptiv und statistisch analysiert.

Ergebnisse

Unter den 58 Fällen befanden sich 74 Opfer. Die Täter waren in 93 % der Fälle männlich und in 7 % weiblich. Von den Opfern waren 76 % weiblich, 20 % männlich und 4 % blieben unbekannt. Unter den Opfern waren 17 Kinder, Ehe- oder Lebenspartner waren in 66 % der Fälle involviert. In 71 % der Fälle wurde der erweiterte Suizid zu Hause verübt. Hauptmotive der Tat waren Konflikte in der Partnerschaft und finanzieller Ruin. Erschießen war in 57 % der Fälle Methode der Wahl.

Fazit dieser Studie: Aufgrund der Schwere der Tat sollte heute der Begriff Homizid-Suizid anstelle von „erweitertem Suizid“ in den deutschen Sprachgebrauch integriert werden. Dieser fokussiert sich mehr auf das Tötungsdelikt als auf den Suizid und berücksichtigt somit die Schwere der Tat und die Opfer deutlicher als das Tötungsdelikt. Der Fokus sollte im Weiteren auf die Prävention dieser Ereignisse gerichtet werden. https://doi.org/10.1007/s00194-017-0161-2

Prävention

In letzter Zeit scheint sich eine plausible Auffassung von wirksamer Suizidprävention durchzusetzen: Nicht der Suizid, sondern ein überlebter Suizidversuch bedeutet das erlösende Ende der Selbsttäuschung. So wird dem Papageno-Effekt eine protektive Wirkung zugeschrieben: Papageno bewältigt in der Oper „Die Zauberflöte“ eine suizidale Krise mithilfe der „drei Knaben“. Dies gilt als Beispiel für den einfühlsamen und erfolgreichen Umgang mit suizidalen Konflikten.

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