Che Guevara

An den Schnittpunkten mit der Zeitgeschichte zeigt sich, wie die Biographie eines Rebellen von Krisen bestimmt wird. Beispielhaft ist die Lebensgeschichte des Arztes, Schriftstellers, und Revolutionärs Ernesto Guevara de la Serna, genannt Che Guevara (1929–1967). Er entstammte einer argentinischen Familie, die eine Teeplantage betrieb. Seine Eltern, Celia de la Serna y Llosa (1906–1965) und Ernesto … Weiterlesen Che Guevara

Klaus Barbie und CHE, der Commandante

Deckname Adler: Der Bundesnachrichtendienst rekrutierte Klaus Barbie 1966 in Bolivien für ein Jahr als Informant Der ehemalige Gestapo-Chef der französischen Stadt setzt sich als Klaus Altmann aus Rumänien nach Südamerika ab. Barbie erhält mit Hilfe des CIA 1951 ein Visum für Bolivien und bekommt auch weiterhin Aufträge vom US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst und vom Bundesnachrichtendienst BND. Seit … Weiterlesen Klaus Barbie und CHE, der Commandante

Sigmund Freud und die Freiheit

Sigmund Freud meinte, dass „der eigentliche Genuß des Dichtwerkes aus der Befreiung von Spannungen in unserer Seele hervorgeht“.  Lyrische  Verse  mögen  wie  eine  berührende  Melodie  auf  die  Leserschaft wirken,  Geistergeschichten  sollen  Nervenkitzel  und  Gruselgefühle  her- vorrufen,  aber  die  tragischen  Momente  eines  Freiheitsdramas  können  im  Publikum auch latente Ängste auslösen: die unbewusste Furcht vor eige- ner  Unabhängigkeit.  In  der  neueren  psychoanalytischen  Literatur  liest  sich die Auffassung von der „Angst vor Autonomie“ so:   "Es  ist  unser  Schicksal,  dass,  wenn  wir  nie  die  Chance  hatten,  uns aufzulehnen, wir die Absurdität durchleben müssen, nie ein eigenes Selbst gelebt zu haben."   (Arno Gruen: Der  Verrat  am  Selbst. Die  Angst  vor  Autonomie  bei  Mann  und  Frau.  München 2009, S. 161) Gerade  die  wechselnden  Perspektiven  der  biographischen  Medizin  und der  vergleichenden  Biographik  lassen  erkennen,  dass  in  der  Heilkunde  und  in  der  Literatur  Ideen  angelegt  sind,  die  bei  der  Analyse  ihres  Zu- sammenwirkens  spürbaren  Widerstand  herausfordern.  Dies  scheint  kon-  stitutiv für die Verbindung der Heilkunde mit der Poesie zu sein. Fraglich bleibt,  ob  das  für  Kultur,  Kreativität  und  Fortschritt  schlechthin  gilt, wenn zum Beispiel eine Devise lautete:  "Empört  euch!  Neues  schaffen  heißt  Widerstand  leisten!  Wider- stand leisten heißt Neues schaffen! " (Stéphane Hessel: Empört euch! Berlin 2011)  Sigmund Freud (1856–1939) Wenn Ärzte und manchmal auch Ärztinnen – ob im Mittelalter oder in der Neuzeit – den Entschluss fassten, schriftstellerisch tätig zu werden, konnten  sie  sich  keine  Hoffnung  auf  ein  langes  Dichterdasein  machen.   Ruhm  schien  hauptsächlich  Nachruhm  zu  sein.  Dennoch  war  schon  in früheren  Jahrhunderten  die  Zuversicht  einiger  Autoren  groß  genug,  um  einem Lebensgefühl, das von der Nichtigkeit des Daseins bestimmt wur- de, wenn nicht mit medizinischen Mitteln, so doch mit Hilfe der Kunst so lange wie möglich widerstehen zu können. Dies entspricht auch der ästhe- tischen  Daseinsauffassung  in  der  psychoanalytischen  Lehre.  Nach  Sig- mund  Freud    ist  Vergänglichkeit  keineswegs  mit  der  Entwer- tung des Schönen verbunden, sondern im Gegenteil als „Wertsteigerung“ aufzufassen.  Bei der Betrachtung der bildendenden Kunst und Literatur wird  das  Fazit  seiner  Studie  über  Das  Unbehagen  in  der  Kultur    durch  einen Vers aus Friedrich Schillers Ballade Der Taucher gemildert:  Es freue sich, wer da atmet im rosigen Licht.  Auf  diese  Ballade  berief  sich  auch  Alfred  Döblin  (1878–1957):  In  beson- ders kritischen Situationen seines Lebens habe er sich daran erinnert, weil dem Bericht des Tauchers über die Gefahr, in einen Strudel zu geraten, ein hoffnungsvoller Vers auf dem Fuß folge:   Doch es war mir zum Heil, es riss mich nach oben. 

Friedrich Hölderlin: Hälfte des Lebens

Mit gelben Birnen hängetUnd voll mit wilden RosenDas Land in den See,Ihr holden Schwäne,Und trunken von KüssenTunkt ihr das HauptIns heilignüchterne Wasser. Weh mir, wo nehm ich, wennEs Winter ist, die Blumen, und woDen Sonnenschein,Und Schatten der Erde ?Die Mauern stehnSprachlos und kalt, im WindeKlirren die Fahnen. Dies ist die Geschichte eines Einzelgängers, der keinen … Weiterlesen Friedrich Hölderlin: Hälfte des Lebens

Huckepack, Hase und Igel

Huckepack, hier: auf der Schulter hocken Sandmännchen: „Liebe Kinder! Ein Hase soll in geheimer Wahl zum Präsidenten von Thüringen gewählt werden. Er bekommt von 100 Tieren des Thüringer Waldes 50 Stimmen, während seine beiden Mitbewerber (zwei Igel) 45 bzw. 5 Stimmen erhalten. Also ein Unentschieden. Will nun der 1. Igel nur als „Huckepack“ (in Thüringen: … Weiterlesen Huckepack, Hase und Igel

Mehr Hirn in die Politik: Robert Habeck-Bücher

Aktuell Einst als Bewegung der "Müsli-Esser" und "Ökospinner" abgetan, gewinnt die Partei immer mehr Anhänger, selbst in der bürgerlichen Mitte. Und dabei spielt Robert Habeck eine, wenn nicht die zentrale Rolle." Aber wie kam es zu seinem kometenhaften Aufstieg? Welchen Personen und welchen Umständen verdankt er seine rasche Karriere? Und welchen Eigenschaften? Aus Gesprächen mit … Weiterlesen Mehr Hirn in die Politik: Robert Habeck-Bücher

Alfred Döblin – Arzt und Dichter I

Die  expressionistischen  Dichter  Alfred  Döblin  („Berlin  Alexanderplatz“)  und  Gottfried  Benn  („Morgue-Zyklus“)  gelten  heute  als  bedeutende Vertreter der literarischen Moderne. Sie kämpften als Ärzte und Dichter gegen die Vanitas. Nach  Sigmund  Freud  (1856–1939)  ist  Vergänglichkeit  keineswegs  mit  der  Entwer- tung des Schönen verbunden, sondern im Gegenteil als „Wertsteigerung“ aufzufassen.   Bei der Betrachtung der bildendenden Kunst und Literaturwird  das  Fazit  seiner  Studie  über  Das  Unbehagen  in  der  Kultur    durch  einen Vers aus Friedrich Schillers Ballade Der Taucher gemildert:  Es freue sich, wer da atmet im rosigen Licht.  Auf  diese  Ballade  berief  sich  auch  Alfred  Döblin  (1878–1957):  In  beson- ders kritischen Situationen seines Lebens habe er sich daran erinnert, weil dem Bericht des Tauchers über die Gefahr, in einen Strudel zu geraten, ein hoffnungsvoller Vers auf dem Fuß folge:   Doch es war mir zum Heil, es riss mich nach oben.  Döblin gehörte  zu den  wenigen  Arztdichtern  der  Moderne,  die  offenbar so gottesfürchtig wie die Barocklyriker waren und sich anscheinend auch vor keinem Menschen fürchteten. Er bekannte freilich, dass es ihm unterseinem  eigenen   psychotherapeutischem  Blick manchmal  „ganz  bänglich“   geworden  sei; man  könne  eben  keine  „wirkliche  Autobiographie“   schreiben, also  nicht  zugleich  derjenige,  „der  in  den  Spiegel  schaue,     und  der  Spiegel“  sein. Die nur in der Phantasie existierenden Vorgänge, von denen nur ein Pseudo-loge  fest  überzeugt  ist,  entsprechen  den  Konfabulationen  der  Alkoholkranken,  die  Alfred  Döblin  in  seiner  Dissertation  über das Korsakow-Syndrom beschrieb.  In  diesen Täuschungssituationen  kann  Klarheit  nur  durch  große  Umsicht,  Auf- merksamkeit und geschärfte Wahrnehmung gewonnen werden.   Nach Döblin ist eine wichtige Voraussetzung der Dichtkunst ein „übernormal scharfes Sehen“.   Denn ein Schriftsteller wie er be-trachtet  die  Dinge  nicht  einäugig  aus  einem  Winkel,  sondern mehrperspektivisch  und  stereoskopisch;  er  kann  daher  Gegen- stände  dreidimensional  beschreiben.  Die  Lektüre  seiner  Texte vermittelt – wie bei einem Blick aus dem Fenster bei einer Fahrt durch  eine  Landschaft  –  den  Eindruck,  dass  die  räumlich  wahr- nehmbaren Dinge vor einem Hintergrund stehen: ein Baum vor dem Fluss, eine Burg auf dem Berg am Horizont. Je weiter ent- fernt, desto bläulicher erscheinen die kulissenartigen Hügel. Der Abstand eines Gegenstandes von seinem Hintergrund wird um- so  deutlicher  sein,  je  schärfer  das  Sehen  und  je  genauer  die  Re-  zeption des räumlichen Eindrucks ist.   •     Es entsteht Dreidimensionalität, wenn zum Beispiel in der Vorstellung  anschauliche  Abbilder  von  Lebewesen  erscheinen:  das  Wild im Wald. Nach einem Augenblick des Stillstands ist zu er warten,  dass die Tiere zwischen den Bäumen hervortreten. Diese Bewegung  fesselt  die  Wahrnehmung.   Döblin hatte auch die originelle Hypothese aufgestellt: „Das gefährlichste Organ  des  Menschen  ist  der  Kopf“.    Schon  während  des  Medizinstudi-  ums schrieb er eine satirische Kopf-ab-Geschichte:    Sein Arm hob sich, das Stöckchen sauste, wupp, flog der Kopf ab. Der Kopf überstürzte sich in der Luft, verschwand im Gras. ((Die  Ermordung  einer  Butterblume  und  andere  Erzählungen.  München 1913). Als Döblin den berühmten Autor des Stücks Reigen (1921) in einer zuge- spitzten Theaterkritik förmlich aufspießte und „Arthur der Zerschnitzler“ nannte, bezog er sich auf die Dichtkunst des Wiener Kollegen, den er aber als Urheber der von ihm selbst angewandten Methode des inneren Mono-logs bewunderte. Döblin folgte zwar durchaus den von Schnitzler im Wiener Milieu  der  Jahrhundertwende  aufgenommenen  Spuren  des  vorbewussten  Denkens;  er  favorisierte  jedoch  den  breiten  Bewusstseinsstrom,  der  später vor allem seinen Berliner Großstadtroman durchflutete. Mit der Umdeu- tung  des  Namens  kritisierte  er  Schnitzlers  dramatische  und  narrative   Technik  insofern,  als  diese  nach  seiner  Auffassung  eine  Trennung  von Erotik und Sexualität bewirkt habe; er bezog sich also nicht etwa auf dessen pathologisch-anatomische Fertigkeiten, vielmehr schätzten beide, der Berliner  wie  der  Wiener  Dichter,  nicht  nur  die  Zergliederung  der  Um-gangssprache zugunsten des inneren Monologs, sondern auch den Nutzen autoptischer Studien zur Erforschung der Körperfunktionen:  Das psycho logische  wie  das  sezierende  Handwerk  der  schreibenden - Nervenärzte … Weiterlesen Alfred Döblin – Arzt und Dichter I

Alfred Döblin, Arzt und Dichter II

Am Übergang von der Belle Époque in die Moderne fand eine neue kulturelle Aufwertung der Städte Wien und Weimar statt. So sprach man von der Wiener Moderne und nach dem Ende der Wilhelminischen Ära von der Weimarer Republik. Verglichen mit diesen epochalen Begriffen beschrieb Alfred Döblins Romantitel Berlin Alexanderplatz (1929) zwar nur den kleinen Teil … Weiterlesen Alfred Döblin, Arzt und Dichter II