
für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit Clemens Hoch
An das Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Gesundheit
z. Hd. Herrn Minister Clemens Hoch
Mittlere Bleiche 61
55116 Mainz
Betreff: Sicherstellung der Grund- und Notfallversorgung an der Mittelmosel – wider die Abkehr von qualitativ hochwertiger und patientengerechter Versorgung; hier: Strukturelle Defizite nach Schließung des stationären Betriebs in Zell sowie Schließung der Geburtshilfe im Kreisgebiet Cochem-Zell

Sehr geehrter Herr Minister Hoch,
bezugnehmend auf die vorausgegangene Korrespondenz und den offenen Brief an den ehemaligen Ministerpräsidenten Schweitzer, weise ich Sie hiermit auf die veränderte Versorgungslandschaft im Landkreis Cochem-Zell nach der Einstellung des stationären Klinikbetriebs in Zell zum 30. Juni 2025 und eine gravierende Verschärfung der Notfallkrise sowie auf akute Systemrisiken für die Bevölkerung hin.
Das wissenschaftliche Gutachten der IGES-Gesellschaft bestätigt erneut eindeutig die Bedarfsnotwendigkeit einer verlässlichen Basis- und Notfallversorgung für die Region
Mittelmosel. Das darin mathematisch nachgewiesene akutmedizinische Vakuum hat sich
durch jüngste Entwicklungen im Juni 2026 dramatisch zugespitzt:
Mit der Schließung der letzten verbliebenen Belegabteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe des Marienkrankenhauses Cochem ist das stationäre frauenärztliche Fachgebiet kreisweit vollständig kollabiert. Angesichts der Tatsache, dass laut Landeskrankenhausplan fast 70 % der stationären Aufnahmen von Kindern Notfälle sind, wird damit seit der Auflösung der beiden kinderärztlichen Belegabteilungen in Zell sehenden Auges hier auch eine Gefährdung von Mutter und Kind in Kauf genommen.
Seit einem Jahr ist zudem im Landkreis Cochem-Zell kein Neurologe mehr tätig. Als Vertreter
dieses Fachgebiets habe ich in mehreren Gutachten auf die Unterversorgung der akut Nerven- und Gefäßkranken, insbesondere der Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten, hingewiesen. Doch auch auf entsprechende Warnungen, die bei den Ihnen bekannten Verfahren vor dem VG Koblenz und OVG Rheinland-Pfalz von dem ehemaligen Notarzt Jürgen Adler vorgetragen wurden, sind Sie nicht näher eingegangen. Trotz der mit dem demographischen Wandel zunehmenden Inzidenz der Hirn- und Herzinfarkte sowie der mit dem Alter häufiger auftretenden Unfallverletzungen haben Sie die Schließung des exzellenten, wenngleich unterfinanzierten Zeller Krankenhauses, zugelassen.
Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle fachliche Ausrichtung des ambulanten Gesundheitszentrums in Zell mit allem Nachdruck zu kritisieren. Der Träger, die Alexianer-via Salus-Gruppe, konzentriert sich nach misslungener Planung einer Kurzzeitpflege auf ambulante Gefäßchirurgie und (geplante) Kardiologie. Da beide Fachrichtungen im Landkreis bereits vorgehalten werden, etabliert der Träger hier renditeorientierte Doppelstrukturen, während die lebensrettende Infrastruktur – namentlich eine permanent bereite Akut-Notaufnahme, ein zertifiziertes Traumazentrum, ein funktionierendes Herzkatheterlabor (LG 08.2) sowie eine Stroke Unit (26.2) – vollständig fehlen. Das Ambulatorium bleibt ein Provisorium und verschleiert weder den unhaltbaren Mangel in der Notfallmedizin noch das Fehlen des 24/7-Dienstes. Das kennzeichnet die Abkehr von der qualitativ hochwertigen, effizienten und patientengerechten Versorgung.