Anette, ein Heldinnenepos von Anne Weber. Deutscher Buchpreis 2020

Sie glaubt nicht an Gott, aber er an sie.“

„Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher ― wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel »Gerechte unter den Völkern« erhalten wird –, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung… und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Heldinnenepos. Die mit großer Sprachkraft geschilderten Szenen werfen viele Fragen auf: Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen? Annette, ein Heldinnenepos erzählt von einer wahren Heldin, die uns etwas angeht.“ (Matthes & Seitz Berlin, 28. Februar 2020)

Tal der Herrlichkeiten

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Sanfte Melancholie, feine Ironie und zartes Lächeln, eine Liebesgeschichte, bar jeder „coolen“ Erzählweise, wunder-bar.
Das klassische Thema: Eurydike verschwindet. „Ach, ich habe sie verloren!“ Ja, aber zunächst findet diese schöne, erotisch aktive Frau mit leider nur neun Fingern, aber langen Goldlocken, den Geliebten am Meer. Anne Weber erzählt nicht in Ichform, sie beobachtet aufmerksam zwei Liebende, „les deux“. Die hellen wie die dunklen erotischen Szenen sind sacht gezoomt oder gedimmt, natürliche Begegnungen, kunstvoll geschildert, so wie dieses Rencontre wohl einmal gewesen sein mag oder sein wird. Deshalb kommt bei Lesern und Kritikern allmählich Euphorie auf:
Ich jedenfalls habe in diesem Jahrhundert noch kein schöneres Buch gelesen; poetische Prosa, die sich wahrscheinlich derzeit nur noch bei einer ebenfalls in Frankreich lebendenden deutschen Autorin (Katharina Born) findet, von Anne Weber in deutscher und französischer Sprache verfasst:  Vallée des merveilles .

Das ist „leichte“ Belletristik jenseits des gehobenen Trivialromans, der Pornographie und angeblich erhebender, in Wirklichkeit aber artifiziell verkrampfter und deshalb unerheblicher Prosa. Anne Webers Roman ist geglückt, gewagt, mutig und anmutig. Die Autorin lässt dem Leser zwar mit ihren Metaphern („Hund oder Wolf?“) die Wahl, wer das denn sei, der da auch noch durch die Handlung geistert (ich tippe auf den Höllenhund), aber nicht in der Frage, ob er sich für diese Frau mit den langen Locken entscheiden würde.

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