
Astrid Kohlmeier: Ungeduld
Voller Ungeduld erwarte ich dich
Wie meine Haut hungert nach dir.
Wie mein Herz zittert und knurrt
Als du endlich ankommst in mir
Ich lerne dein Antlitz auswendig
Wickle deine Locke um den Finger
Schreibe dir mit meinen Nägeln
Ein Geheimnis auf die Haut
Ich atme dich ein, atme dich aus
Flüstere in einer mir fremden Sprache
Und bringe uns beide weit fort von hier
An einen Ort, der keinen Namen trägt
Mit Küssen verschließe ich dir die Augenlider
Sodass du in der zarten Dunkelheit
Nur eines siehst – mich – in all meiner Nacktheit
In der nichts vor dir verborgen bleibt
Astrid Kohlmeier: Phantomerlebnis
Amputiert sind nun die
Schwingen meiner Seele
Die deine Gegenwart hat
wachsen lassen
Geblieben sind mir einzig
eine goldene Feder
Und zwei gezackte Narben
auf dem wunden RückenVersiegt ist auch der
sanfte Strom
Der mein Boot in zarten
Nächten zu dir getragen hat
Ausgetrocknet ist das karge Flussbett
An dem ich niederkniee
und Tag für Tag um Regen beteMeine Flügel
und meine Tränenquelle
Sind nun in einer fernen
ZwischenweltIn der du fortlebst
ohne mich
Ich spüre dich noch und
wie du fehlst