Jeder Fünfte mit TIA erleidet innerhalb von 10 Jahren einen Schlaganfall

Metaanalyse von 38 Studien

Nach einer TIA oder einem leichten ischämischen Insult ist das Risiko für einen Schlaganfall langfristig erhöht. Resultate einer Metaanalyse von 38 Studien sprechen dafür, dass im ersten Jahr nach dem Ereignis knapp 6% und in den ersten zehn Jahren rund 20% einen Schlaganfall erleiden.

Das Wichtigste in Kürze zu dieser Studie finden Sie am Ende des Artikels.

Nach einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) oder einem leichten Schlaganfall ist das Risiko für einen schwereren Schlaganfall in den ersten 90 Tagen bekanntlich besonders hoch. Doch auch darüber hinaus müssen die Betroffenen mit erneuten zerebrovaskulären Ereignissen rechnen. In welchem Ausmaß – darüber variieren die Angaben teilweise erheblich, wie Forschende um Dr. Faizan Khan vom Hotchkiss Brain Institute der Universität von Calgary in Kanada berichten. Anhand einer Metaanalyse von 38 Studien haben sie versucht, das Risiko über zehn Jahre hinweg zu ermitteln. Sie sammelten dabei teilweise noch unveröffentlichte Daten direkt von den Studienautoren, um über die exakten Personenjahre und zeitlicher Intervalle den Verlauf des Schlaganfallrisikos präzise zu bestimmen. Danach ist das Schlaganfallrisiko erwartungsgemäß besonders im ersten Jahr nach einer TIA oder einem leichten Schlaganfall erhöht und nimmt dann etwas ab, kumuliert aber über die Folgejahre zu einem beträchtlichen Gesamtrisiko: So erleiden rund 20% innerhalb von zehn Jahren einen weiteren Schlaganfall.

Khan und Mitarbeitende hatten prospektive Kohortenstudien und retrospektive Analysen berücksichtigt, die Personen mit einer TIA oder einem leichten Schlaganfall – definiert als NIHSS-Wert bis zu 5 Punkten – über mindestens ein Jahr nachbeobachtet hatten. Insgesamt konnten sie Angaben zu über 171.000 Personen auswerten. Diese waren bei der Aufnahme in die Studien im Mittel 69 Jahre alt, 44% hatten eine TIA, der Männeranteil betrug 57%, praktisch alle erhielten nach dem initialen Ereignis eine antithrombotische Behandlung. Etwas mehr als die Hälfte der Studien stammte aus Europa.

Ischämische Insulte bei 18% in zehn Jahren

Im ersten Jahr nach dem initialen Ereignis erlitten knapp 6% einen Schlaganfall, davon über 60% in den ersten drei Monaten nach der TIA oder dem ersten leichten Insult. Anschließend sank die jährliche Inzidenz auf 1,8% bis zum fünften Jahr sowie 1,7% bis zum zehnten Jahr nach dem initialen Ereignis.

Kumulativ erlitten 12,5% in den ersten fünf sowie 19,8% in den ersten zehn Jahren einen Schlaganfall, von ischämischen Insulten waren knapp 18% in zehn Jahren, von hämorrhagischen etwa 3% betroffen, einem tödlich verlaufenden Schlaganfall fielen ebenfalls 3% in zehn Jahren zum Opfer.

Zudem deutet die Analyse auf regionale Unterschiede: Studien aus Nordamerika und Asien wiesen höhere Schlaganfallraten auf als jene aus Europa. Und nach dem Jahr 2007 publizierte Studien ergaben höhere Raten als davor veröffentlichte Untersuchungen.

Ein Großteil der Studien machte auch Angaben zu Herzinfarkten – solche traten bei knapp 6% in zehn Jahren auf. Insgesamt starben 35% der Studienteilnehmenden in zehn Jahren und 43% entwickelten in dieser Zeit funktionelle Einschränkungen, definiert als ein Wert auf der modified Rankin Scale (mRS) von 2–5.

Als Konsequenz fordern Khan und Mitarbeitende ein kontinuierliches Monitoring und eine gezielte Langzeitprävention bei Menschen nach TIA oder leichten Schlaganfällen, um das Risiko von weiteren Schlaganfällen, Behinderung und Tod zu reduzieren.

Das Wichtigste in Kürze
Frage: Wie hoch ist das langfristige Schlaganfallrisiko nach TIA oder leichtem Schlaganfall?
Antwort: Eine Metaanalyse von 38 Studien mit über 171.000 Personen ergab eine Schlaganfallrate von 6% im ersten Jahr sowie 1,7% bis 1,8% in den Folgejahren. Kumulativ erleiden nach diesen Daten knapp 13% innerhalb von 5 Jahren und 20% innerhalb von zehn Jahren einen Schlaganfall.
Bedeutung: Die Ergebnisse unterstreichen, dass das Schlaganfallrisiko auch langfristig erhöht bleibt, was ein kontinuierliches Monitoring und eine Optimierung der Sekundärprävention nahelegt.
Einschränkung: Hohe Heterogenität zwischen den einzelnen Studien.

Thomas Müller

https://www.springermedizin.de/schlaganfall/neurologische-erkrankungen-in-der-hausarztpraxis/jeder-fuenfte-mit-tia-erleidet-innerhalb-von-zehn-jahren-einen-schlaganfall/50802574

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